1. Dorfplatz bei der Kirche (1876–1885)

Pfarrkirche vor der Renovation

Die St. Fridolinskirche Leibstadt

Alles begann mit einem grossen Feuer: Im Jahr 1871 brannte das Dorfzentrum von Leibstadt nieder – und mit ihm die alte Dorfkapelle, die den 14 Nothelfern geweiht war. Ein symbolträchtiges Kleinod aus der Kapelle konnte jedoch vor den Flammen gerettet werden: Das Gemälde, das die 14 Nothelfer zeigt. Dieses Bild, das 1991 restauriert wurde, hat in der heutigen Pfarrkirche St. Fridolin einen Ehrenplatz gefunden.

Die St. Fridolinskirche steht fast am selben Ort wie die einstige Kapelle. Doch damit sie gebaut werden konnte, mussten sich die Leibstadter Katholiken - die bis dato zum Kirchspiel Leuggern gehörten - mächtig ins Zeug legen. Für die Leibstadter stand fest, dass sie nun, nach dem Verlust ihrer Kapelle, eine eigene Kirchengemeinde gründen und eine Kirche bauen wollten. Mit diesem Ansinnen stiessen sie in Leuggern jedoch auf taube Ohren.

Nach jahrelangem Gezerre um ihre Eigenständigkeit drohten die Leibstadter Gläubigen schliesslich damit, alternativ eine Alt- oder Christkatholische Kirchengemeinde zu gründen. Angesichts dieser «Gefahr» erliess der «Grosse Rath des Kantons Aargau» 1879 umgehend folgendes Dekret: «Die Gemeinde Leibstadt wird von der Pfarrei Leuggern losgetrennt und zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben.» Der Weg für den Bau einer eigenen Kirche war frei!

Die Leibstadter verloren keine Zeit. Sie erteilten den Planungsauftrag an den Architekten F. Wernli aus Turgi und vergaben die Baumeisterarbeiten an H. Baumann aus Villigen. Nach nur einem Jahr stand im Dorfzentrum von Leibstadt eine schöne und neue Jugendstil-Kirche. Die Baukosten: 56’545 Franken. Ein ordentlicher Batzen Geld zu jener Zeit. Zur Finanzierung nahm die noch junge katholische Kirchengemeinde zwei Darlehen auf. Sie lieh sich 15’000 Franken von der Aargauer Kantonalbank und 25’000 Franken von Nationalrat F. Beidinger aus Baden. Den Rest trugen sie selbst zusammen, überwiegend durch freiwillige Spenden aus dem Dorf. Am 26. September 1880 war es soweit: Dekan Herzog von Hornussen – der den erkrankten Bischof Haas vertrat – weihte die Kirche feierlich ein. Ihren Namen verdankt die Leibstadter Kirche vermutlich dem «Sankt-Fridolinsstädtchen» Säckingen, wohin die Katholiken aus dem Fricktal zu jener Zeit zu pilgern pflegten. Ab sofort hatten sie ihren eigenen St. Fridolin als Kirchenpatron!

Bei ihrer Einweihung war die Kirche aber noch deutlich kleiner als heute. Der jetzige Chor mit dem Hauptaltar und der Sakristei wurde erst im Jahr 1916 angebaut. Die Kirchengemeinde wuchs und gewann an Bedeutung. Schon im November 1880, zwei Monate nach dem Kirchweihfest, löste sich die Gemeinde Schwaderloch von Mettau und wurde in die neue Pfarrei Leibstadt eingegliedert. Ab 1911 hatten die Leibstadter mit Josef Stocker auch endlich einen Pfarrer, der länger blieb und sich im Dorf engagierte. Stocker war unter anderem Mitbegründer und  Aufsichtsratspräsident der Darlehenskasse Leibstadt. Er starb im Jahre 1926 und wurde feierlich vor der Kirche beerdigt. Seine Nachfolge trat Pfarrer  Josef Suter an, der sich während seiner Amtszeit für den Einbau einer neuen Orgel einsetzte.

Im Jahre 1931 baute die St. Fridolinsgemeinde ein neues Pfarrhaus neben der Kirche. Der alte, aus dem Jahr 1859 stammende Pfarrhof an der Rheintalstrasse wurde verkauft. Über 70 Jahre lang hatte er den Seelsorgern von Leibstadt als Wohnung und Amtshaus gedient.

Die 1950er-Jahre brachten grosse Veränderungen für die Leibstadter Kirchengemeinde: Im Jahr 1955 trennten sich die Schwaderlocher Gläubigen von Leibstadt und errichteten eine eigene Pfarrei in Schwaderloch. Ein Jahr später dann, 1956, unterzogen die Leibstadter ihre Pfarrkirche einer Komplettrenovierung inklusive neuer Glocken. Gemäss dem damaligen Zeitgeist wurden die neugotischen Altäre und Bilder einfach verschrottet – aus heutiger Sicht eine echte Sünde!

Stationen

  1. Dorfplatz bei der Kirche (1876–1885)
  2. Alterswohnheim Salzwirtli (1896–1905)
  3. Gemeindehaus Leibstadt (1866–1875)
  4. Altes Taglöhnerhaus (1996–2005)
  5. Aussichtsplatz Mühlehalden (1886–1895)
  6. Alte Linde beim KKL (1976–1985)
  7. Friedhof mit Loreto-Kapelle (1956–1965)
  8. Alte Eiche beim Kugelbunker (1936–1945)
  9. Fischtreppe Nachtigall (1926–1935)
  10. Rheinuferweg vis-à-vis Bahnhof (1986–1995)
  11. Unterbernau am Dorfbächli (2006–2015)
  12. Brunnen beim Oelhof (1946–1955)
  13. Bernaustrasse (1906–1915)
  14. Sonnenuhr bei der Schule (1966–1975)
  15. Raiffeisenbank (1916–1925)

Das Bänkli

Mit Blick auf die St. Fridolinskirche wurde der Dorfplatz als Standort für das Bänkli der geschichtlichen Dekade 1876–1885 ausgewählt.

Nicht ganz so einfach war die Bestimmung der Bänkli-Art und Grösse, weil der Dorfplatz mit seinem 8-eckigen Brunnen auch gerne für kleinere Veranstaltungen, wie z. B. der Musikgesellschaft genutzt wird. So wurde in Zusammenarbeit mit regionalen Fachbetrieben diese Sitzgelegenheit geplant und geschaffen, um den Dorfplatz damit optisch aufzuwerten und auch für verschiedenste Dorfanlässe kommunikative Sitzgelegenheiten zu bieten.