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Bernaustrasse (1906–1915)

Zeichnung Trafostation
Transformatorenhaus, erbaut 1918 - abgerissen 1952

Die Elektra Genossenschaft Leibstadt

Wenn Sie nach oben blicken, was stellen Sie dann fest? Genau: Sie stehen unter einer elektrisch betriebenen Strassenlaterne! Diese gehören inzwischen so fest in unser Strassenbild, dass wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen. Vor einem guten Jahrhundert aber beschäftigten sich die Leibstadter mit einem in der damaligen Zeit elektrisierenden Thema; Die Stromversorgung.

Bild Laternen
Sturmlaterne (Petroleum), Feuerwehrlaterne (Kerze), Velolaterne ca. 1900 (Kerze)

In der Gemeindeversammlung am 10. Oktober 1915 herrscht Hochspannung. Tritt das Dorf dem Elektrizitätsverband Mettauertal bei? Die Versammlung entscheidet sich dagegen und strebt stattdessen eine Elektrizitätsversorgung auf Genossenschaftsbasis an.

Die offizielle Gründung mit ausgearbeiteten Statuten erfolgte am 16. Juli 1916 mit 80 eingeschriebenen Mitgliedern. Sie haften damit persönlich für einen minimalen Stromkonsum und für die Installationen.

Am Ende des Jahres zieht die Elektra erste Bilanz. Sie zählt mittlerweile 98 Mitglieder. Und vielen Leibstadtern ist ein Licht aufgegangen: An die örtliche Stromversorgung wurden binnen eines Jahres 10 Strassenlampen, 13 Motoren, 33 Bügeleisen und 1’083 Lampen angeschlossen.

Der Strompreis im Jahre 1916 beträgt in Leibstadt 50 Rappen pro Kilowattstunde für Licht und 25 Rappen pro Kilowattstunde für Motoren. Hinzu kommt eine jährliche Zählermiete von fünf bis acht Franken.

Der erste Rechnungsabschluss der Elektra-Genossenschaft stimmt die Genossenschaftler froh: Den Einnahmen aus dem Stromverkauf von 8’202 Franken steht eine Elektrizitätswerk-Rechnung von 3’336 Franken für die verbrauchte Strommenge von 18’345 kWh gegenüber. Der Bruttogewinn liegt also bei 4’866 Franken! Diese fliessen in den weiteren Ausbau des Netzes und in die Schuldentilgung, denn das Aufstellen des Freileitungsnetzes hatte die Elektra-Genossenschaft 23’800 Franken gekostet.

Bereits nach zehn Jahren hat die Elektra diesen Kredit zurückgezahlt. Ausserdem hatte sie mit
Josef Eckert einen Betriebselektriker verpflichtet, der jahrzehntelang in ihrem Dienst stand und zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar war. Die Leibstadter griffen die Segnungen der Elektrizität in den kommenden Jahren und Jahrzehnten begeistert auf.

Nach 25 Jahren, also im Jahr 1941, hatte sich der Stromkonsum des Dorfes bereits verzehnfacht und lag bei 190‘000 Kilowattstunden.

 

Das Bänkli
Ein passendes Thema für diese Dekade war schnell gefunden, aber nicht der dafür geeignete Bänklistandort. Ursprünglich angedacht war eine Stelle in der Nähe des früheren Trafohäuschens. Aber ein dafür geeigneter und zugleich interessanter Standort wurde nicht gefunden. Spannender dagegen war der Gedanke, das Bänkli einfach an einen sinnvollen Ort in den Rundweg zu stellen und das Bänkli dafür mit einer nostalgischen elektrischen Laterne zu ergänzen. Als passendes Bänkli wurde eine Hockerbank gewählt und die nötigen elektrischen Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit regionalen Fachbetrieben durchgeführt.

Bild Bank Bernau